Über mich

Hi! Ich bin Jules Karli.
Und ich lieb Leute – in all ihren Formen und Farben.
Sexualität habe ich schon immer als einen Bereich erlebt, in dem diese Formen und Farben besonders lebendig werden – aber auch als einen, der viel zu oft tabuisiert oder stigmatisiert wird und vielen Menschen schlicht verschlossen bleibt. Darum habe ich vor einigen Jahren beschlossen, Sexualität in all ihren Facetten zu meinem Beruf zu machen.
Auf dieser Seite erfährst du mehr über mich, meine Arbeit und meine Grundsätze.
Ich bin Jules Karli – nicht-binäre (afab) Sexualpädagog*in und Sexualbegleitung, geboren 1992 in Köln. Mich hat schon immer interessiert, wie Menschen leben, lieben und miteinander umgehen – das hat mich von der Gastronomie über die freie Wirtschaft bis in die Politik und schließlich zur Arbeit als persönliche Assistenz geführt.
Meine Jahre als persönliche Assistenz für eine junge Frau mit Tetraspastik waren es auch, die mich zur Sexualbegleitung brachten. Wir sprachen viel über Sexualität – darüber, wie sich ihre Behinderung darauf auswirkt, über Barrieren, Unsicherheiten und das Recht auf Nähe, Lust und Körperlichkeit.
Durch eine Internetrecherche stieß ich zum ersten Mal auf den Begriff Sexualbegleitung. Was ich fand, waren viele schlechte Dokus, fragwürdige Webseiten und missverständliche Darstellungen – aber auch das Institut zur Selbstbestimmung Behinderter (ISBB) in Trebel, das aus der Behindertenrechtsbewegung der 1980er Jahre hervorgegangen ist. Dort lernte ich das von Lothar Sandfort entwickelte Konzept der sexualtherapeutischen Hilfen kennen: Sexualbegleitung und Surrogatpartnerschaft als Wege zu gelebter Selbstbestimmung.
Bei einer Fortbildung am ISBB lernte ich Lothar Sandfort und seine ehemalige Auszubildende und heutige Nachfolgerin, Pia Hoffmann, kennen. Pia Hoffmann lud mich in ihre Praxis nach Duisburg ein, wo sie in der Tradition Lothar Sandforts seit über zwanzig Jahren Sexualbegleitung anbietet. Gemeinsam mit dem ISBB-Alumni Thomas Aeffner gründete sie 2020 ein eigenes Ausbildungsprogramm für Sexualbegleitungen. Ich war – zusammen mit drei weiteren Personen – Teil des ersten Ausbildungsjahrgangs und arbeite bis heute vertrauensvoll mit beiden zusammen.

Die Ausbildung nach Sandfort ist in ihrer Form einzigartig: Sie verbindet praktische Lehre, theoretisches Wissen, eigene Sexualbegleitungsstunden und regelmäßige Supervision. Mein Schwerpunkt lag dabei auf der Arbeit mit Menschen mit Lernschwierigkeiten und komplexen Mehrfachbehinderungen. Gleichzeitig begleitete ich auch Klient*innen ohne Behinderung – Menschen mit sexuellen Traumata oder sogenannte „Absolute Beginner“, die aus unterschiedlichsten Gründen bisher keinen aktiven Zugang zu (partnerschaftlicher) Sexualität gefunden hatten. Die Arbeit mit diesen sehr verschiedenen Menschen bereichert und begleitet mich bis heute.

Um mein Wissen zu vertiefen – und auch, um dem gesellschaftlichen Stigma rund um Sexarbeit fachlich etwas entgegenzusetzen – begann ich 2024 eine Weiterbildung zur Sexualpädagog*in bei der Praxis für Sexualität in Duisburg. Hier habe ich mich intensiv mit Themen wie Sexualität, Gender, Identität und Vielfalt beschäftigt. Ein Fokus lag dabei auf praktischer sexualpädagogischer Arbeit, inklusiver Sprache, Prävention sexualisierter Gewalt und Empowerment.
Seitdem gebe ich Schulungen und Workshops, vor allem zu den Themen Sexualität und Behinderung, Inklusivität und Diversität.
Grundsätze & Haltung
In meiner Arbeit begegne ich zu erst einmal Menschen. Meist wollen sie etwas lernen, das sie in ihrem Leben weiter bringt oder etwas explorieren, wonach sie sich sehnen. Sie wollen sich, ihre Körper und ihre Sexualität erfahren und erleben. Sie suchen nach Nähe, nach Intimität, nach Sexualität und nach dem richtigen Zugang zu diesen Themen. Um meinem Gegenüber (und mir) eine bereichernde und selbstermächtigte Zeit zu gewährleisten, arbeite ich nach folgenden Grundprinzipien:
Queer-Feministisch
Ich verstehe meine Arbeit als Beitrag zu mehr Geschlechtergerechtigkeit.
Ich lehne Diskriminierung und Unterdrückung aufgrund von Geschlecht oder sexueller Orientierung ab und arbeite aktiv am Abbau von Vorurteilen und Klischees. Ich reflektiere gesellschaftliche Strukturen, die Sexualität, Körper und Begehren beeinflussen und stelle Fragen zu Macht, Konsens und Freiheit und suche nach Wegen, Sexualität und Körper von Scham, Kontrolle und Ungleichheit zu befreien.
Ergebnisoffen
In meiner Begleitung gibt es kein festes Ziel, kein „sollte“ und kein „müsste“. Begegnung darf sich entfalten, ohne dass etwas Bestimmtes entstehen muss.
Ich vertraue darauf, dass sichtbar wird, was Bedeutung hat – und dass Authentizität und Lebendigkeit dann entstehen, wenn nichts erzwungen wird.
Beziehungsorientiert
Entwicklung und Verstehen entstehen im Kontakt – im echten, wechselseitigen Begegnen. Beziehung ist für mich ein lebendiger Prozess, in dem beide Seiten präsent sind. Es geht nicht darum, etwas mit jemandem zu machen, sondern gemeinsam wahrzunehmen, zuzuhören und herauszufinden, was gebraucht wird. Ich lade zu einem offenen (ggf. nonverbalen) Dialog ein, in dem Worte, Körperempfindungen und Stille gleichermaßen Raum haben.
Intersektional
Ich sehe Menschen in ihrer Vielschichtigkeit – mit all ihren Hintergründen und Lebensrealitäten.
Das bedeutet, dass ich immer mehr als einen Aspekt (zB. Geschlecht oder Behinderung) im Blick habe, wie etwa Herkunft, Geschlechtsidentität, Klasse, psychische Gesundheit, Alter oder Religion. Ich begegne Menschen achtsam, ohne feste Vorannahmen, und erkenne unterschiedliche Privilegien, Erfahrungen und Herausforderungen an.
Traumasensibel
Ich weiß, dass Erfahrungen von Körper, Nähe und Sexualität sehr unterschiedlich geprägt sein können – und manchmal auch Wunden hinterlassen haben.
Selbstbestimmung steht für mich an erster Stelle: Jede Begegnung geschieht freiwillig, transparent und in einem Tempo, das sich stimmig anfühlt.
Ich achte auf körperliche und emotionale Signale, lade zu Langsamkeit ein und lasse Vertrauen Schritt für Schritt entstehen – mit Respekt, Geduld und Präsenz.
Empowernd
Ich richte den Blick auf das, was Menschen stärkt – ihre Fähigkeiten, ihre Lebendigkeit, ihr Wissen über sich selbst.
Es geht nicht darum, etwas zu reparieren, sondern vorhandene Kräfte und Möglichkeiten zugänglich zu machen.
Empowernd zu arbeiten heißt für mich, Menschen in ihrer Selbstbestimmung zu unterstützen – in Sexualität, Beziehung und im Kontakt mit sich selbst.
